Niemand hat das Recht, zu gehorchen, …

… ist eines der legendaeren Zitate von Hannah Arendt: immer wieder — und in den verschiedensten ErscheinungsFormen — taucht das Problem “ich denke, du sollst” in ihren Arbeiten auf.

Hier ein einfacher Versuch, ihr Denken zusammenzufassen, wie es (selten genug) beschrieben wird, und wie sie es selbst in Buechern und Interviews ausdrueckt: wie ein Next Step nach Immanuel Kant gebraucht Hannah Arendt ein Paradoxon, um ihre Frage nach Rechtfertigung und Verantwortung (“niemand hat ein Recht zu gehorchen”) auch als Kritik des Zionismus (pdf) zu formulieren, etwa betreffend den Umgang der Regierung mit der palaestinensischen Bevoelkerung.

Hannah Arendt aeussert abei aber nie den Wunsch nach einem Monarchen
(Kant sprach von — in Gewaehrung und Zugestehung von — Vernunft begruendeter Freiheit und Verantwortung, welche den “muendigen und aufgeklaerten” Menschen zustehe; er brauchte implizit den “aufgeklaerten”Herrscher”, der dies alles “zugestehen” soll: vielleicht auch nur, weil er ohne diese Implikation wohl kein Wort publizieren haette duerfen …)

(Eichmann haette nicht fuer Karriere gemordet”, zitiert HM Schoenherr-Mann sie:
dass also Eichmann nicht seinen Chef ermordet haette, um dessen Platz einzunehmen;
wohl aber Millionen Juden, Zigeuner, Obdachlose, Asoziale, Deserteure
Hierarchien und Hierarchismen fordern Unterwerfung, verueben Repression ABER versprechen auch
– allerdings meistens als Betrug der Hoffnungen – Schutz bei BefehlsBefolgung und Sicherheit gegen Forderungen von aussen;
– wobei “Verantwortung” gesagt aber Rechtfertigung verlangt wird –
dieser Risiko-/Schutz- Effekt von Hierarchismen ist Thema auch von Monepedia,
– Feind der Demokratie sind Hierarchien: Diktatur ist nur deren offensichtlichste
weil “mein grosser Bruder ist staerker als dein grosser Bruder” auch heute noch die Basis “unserer” Gesellschaften darstellt: “unabhaengige” Justiz als ritualisierte Rache,
– unabhaengig jedoch sicher nicht von “Werten” und Mentalitaet der Richter –
Polizei als “grosser”Bruder” nicht nur bei Bespitzelung sondern genauso beim Rivalisieren der Clans und Gruppen, Parlamente als Oligarchie der FuehrerInnen der GruppenHerrschaften betreiben nichts Anderes als permanente DemokratieVernichtung, wo es nur geht,
partielle Vernichtung & partielle Demokratie, wie ein halb leeres oder halb volles Glas
und sogenannte “Ausgewogenheit” der “Gewalten” bedeutet nur, dass die verschiedenen “grossen”Brueder” EINANDER nichts tun, wie eben bei “vernuenftigem” Faustrecht; “uns”allen” tun sie sehr wohl, oder auch nicht …)

Warum aeussert Hannah Arendt Empathie fuer einen Massenmoerder?
Sie war weder Pazifistin noch gegen Legalmord (“Todes”Strafe”), obwohl ihr Denken immer wieder den Schluss nahelegt, dass Menschen eben gerade NICHT andere Menschen “strafen” koennen: Verstehen war ihr auch bei Eichmann wichtiger als kommentarloses Einfordern des Legalmordes. “Verstehen, wie ich es entwickelt habe, auch bei Anderen zu finden, ist fuer mich so etwas wie Heimat”, sagt sie in Buch und Interview, und Erschuetterung zeigt sich immer wieder als ihr dominantes Motiv beim Wunsch, zu verstehen.
Hannah Arendt macht einen Unterschied zwischen dem
* bewussten Mord (aktuelles Beispiel des Jahres 2012: Anders Breivik) und dem (von zb Adolf Eichmann “auf Befehl” — und “im Sinne” — des Adolf Hitler und seiner NaziKumpane) organisierten
* VerwaltungsMassenMord.
Tatsaechlich spricht auch Hans-Martin Schoenherr-Mann in den 3sat Sternstunden von den fataleren Folgen dieses “befohlenen” und “befolgten” VerwaltungsMassenmordes und dieses NichtNachdenkens der SchreibtischTaeter.
(“Verwaltungs”Massenmord, Gouvernementalité, SchreibtischTaeter, und ”Befehls”Notstand” sind (zb) die Keywords in diesem Zusammenhang; seit “Quoten” und “Gleich”Berechtigung” auch Frauen in Legislative, Verwaltung und Justiz praesent sind, hat sich diese Situation auch in “Demokratien” des Westens nicht grundlegend geaendert
– nur die drastischen Manifestationen der Totalismen wurden in die 3.Welt exportiert –
sondern vermehrt haben auch Frauen Patriarchalismen adaptiert und weiblich-patriarchalische HerrschaftsFormen entwickelt, die aber meist nicht “matriarchalisch” genannt werden duerfen)

“Beflissenheit eher als einen Beschluss, kriminell zu werden”, beschreibt Hannah Arendt die GedankenStruktur des Adolf Eichmann (der sich wohl auch durch Betonung dieser hierarchistischen NaziWerte noch in Israel aus der Schlinge zu ziehen versuchte).
“Arroganter Umgang mit dem Leid der Opfer” wurde ihr wegen dieser Feststellung in Israel vorgeworfen. (pdf S.677)
(ob kriminelle Handlungen — der Prozess kam durch Kidnapping zustande — Grundlage fuer “Gerechtigkeit” sein koennen, ist angesichts der Unmittelbarkeit des Leids kaum zuzumuten und auch nirgends zu finden)

Justiz ist aber nicht nur in diesem Fall und selbstverstaendlich nicht nur in dieser speziellen Situation IMMER nur ritualisierte Rache …

Von der Lust, Unterthan zu sein, spricht auch Hans-Martin Schoenherr-Mann in seinen Publikationen.
(die zugrundeliegende Problematik ist der Umgang miteinander, wie er auch uns im Alltag — immer noch — “normal” und “gewohnt” ist: Menschen als Objekt von anderen Menschen — zb von Verwaltung — und Entwaffnung, Auslieferung, Unterwerfung, Repression, Wehrlosigkeit, Objektivierung, geistige, seelische und koerperliche Vergewaltigung ist auch 2012 ueberall dort praesent, wo RechtsMittelStaat zugunsten von “Anti”Terror” ruiniert wird …)

einarbeiten:

* Missbrauch der Sprache: Verantwortung sagen aber Rechtfertigung meinen
* “Recht ohne Grenzen”: entschaerft nicht “Staat” als Problem, sondern schafft HyperStaat
* Wenn Enge zu gross wird, bleibt kein Spielraum fuer Demokratie und Freiheit, sogar Kommunikation verendet
* Schoenherr-Mann: Gerechtigkeit braucht fuer Hannah Arendt den unbeeinflussten Richter im stillen Kaemmerlein, bis zum logischen Schluss des Ausschlusses der Oeffentlichkeit (als Unterbindung des Medienspektakels, obwohl ihr doch NS Geheimjustiz ein Begriff sein musste; aktuelles Beispiel: Helmi Prozess (?) in Oesterreich)
* Existenzialismus: das Leben ist nicht (mehr) “goettlich” vorgegeben, GottesGnadentum vs. Kant/Arendt
* Freiheit als Zwang zur Verantwortung (Missbrauch: RECHTFERTIGUNG ist gemeint)
* BefehlsBefolgung ist bequemer und birgt weniger Risiko
* Bandbreite zwischen SelbstLob und SelbstDarstellung: (auch) so entsteht Totalismus
* Konfliktbewaeltigung:
a) der staerkere “grosse”Bruder” (MachtBeduerfnis, AngstBeisser, Faustrecht)
b) akzeptiertere Argumente (geistige Gewalt, Marxismus)
* SelbstMitleid als (autogene) Form der TrauerArbeit: der Unterschied ist nur das Objekt der Trauer

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